Rita Kanne

In ihrem Bezug auf menschliche Proportionen zielen meine Arbeiten auf eine körperhafte Begegnung mit dem Fremden, Unergründbaren, Verschlossenen. Sie sind auf ein unmittelbares Gegenüber angewiesen, fordern Annäherung und Perspektivwechsel als körperliche Bewegung der BetrachterInnen im Raum heraus. Für meine bildhauerischArbeiten nutze ich industriell gefertigte Massenprodukte, die als geringwertig gelten: Acrylperlenketten, Textilbänder, PVC Streifen, Klebefolien. Bei der Verarbeitung der Materialien greife ich auf klassische, in der Tradition als weiblich definierte Techniken wie Knüpfen, Weben, Flechten, Sticken zurück. Das harmlose Deko-Material formiert sich zu fremdartigen Masken, Körpern, Baldachinen, Haarschöpfen deren Ausstrahlung sich auf einer Skala bewegt von bedrohlich, abweisend, bis melancholisch, abgewandt und unerreichbar. Dabei spielt das Verhältnis von Einzelnem und Ganzem in komplexen Strukturen eine Rolle: Einzelne gleichförmigen Teile (Partikel) formen einen Körper, fügen sich zu einer Gestalt zusammen, deren Teile zwar fragil und beweglich bleiben, aber immer wieder zu der Form eines Ganzen zurückfinden, ähnlich wie in einem Schwarm.